Jungjin Lee | Echo | Poetische Bildserien im Fotomuseum Winterthur



American Desert II, 1994 © Jungjin Lee

American Desert II, 1994 © Jungjin Lee

Jungjin Lee | Echo
Poetische Bildserien im Fotomuseum Winterthur
17.09.2016–29.01.2017

Verschiedene Reisen führen Jungjin Lee (*1961 Korea) Anfang der 1990er Jahre in die endlosen Weiten Amerikas, wo sie Wüsten, Felsen, Gestrüpp und Kakteen in archaischen Urmomenten festhält. Die Ausstellung Jungjin Lee – Echo im Fotomuseum zeigt ausgehend von diesen frühen Landschaftsserien insgesamt elf Werkgruppen, die erstmals einen musealen Überblick über 20 Jahre ihres bildnerischen Schaffens erlauben. Der grosse Robert Frank beschrieb Lees fragmentarisch poetischen Bildserien einmal als „landscapes without the human beast”. Damit bezog er sich auf die fast vollständige Abwesenheit des Menschen im Werk von Jungjin Lee, auch wenn in ihren Fotografien vereinzelt zivilisatorische Spuren zu sehen sind und sie einmal auch ihren Körper in Szene setzt.

On Road, 2000 © Jungjin Lee

On Road, 2000 © Jungjin Lee

Neben den Wüstenbildern von American Desert (1990–1995) entwickelte die Künstlerin schon früh den Wunsch, sich zwischen den Kulturen zu bewegen. Es folgten längere Aufenthalte und Reisen sowohl in Korea als auch in den Vereinigten Staaten. Mit Pagodas (1998) und Thing (2003– 2007) entstanden zwei bedeutsame Werkreihen, in denen sie Objekte mithilfe von Schablonen sowie einer weichen und sehr präzise geführten Lichttechnik freistellte. So wird beispielsweise die nach oben sich verjüngende Pagode von fünf Geschossen aus Ziegelsteinen durch einen Kunstgriff Lees an ihrem Fundament gespiegelt. Mit dieser Verdoppelung des Volumens „wächst [die Pagode] nicht nur in die Höhe empor, sondern wurzelt auch in der Tiefe“ (Lena Fritsch in der begleitenden Publikation). Im Ausstellungsraum greift die Künstlerin die asiatische Harmonielehre der Objekte auf, indem sie wiederum fünf Pagodenbilder nebeneinander präsentiert. Auch die Zeichenwelt von Thing ist im Spiel von Objekt und Fläche, von Volumen und Nicht-Volumen sorgsam austariert. Handgearbeitete Schalen, Behälter und Möbel werden von Jungjin Lee mit feinem Gespür für die richtige Platzierung ins Bild gesetzt. Zentral, an den oberen und unteren Rändern oder im radikalen Anschnitt entwickeln die Objekte ein auratisch geladenes Leben im grossformatigen Bildraum.

Wind, 2006 © Jungjin Lee

Wind, 2006 © Jungjin Lee

Mit Ocean (1999), On Road (2000–2001) und Wind (2004–2007) folgen weitere Werkgruppen in diesem Duktus. Der Künstlerin gelingen eindringliche Fotografien, die mit allegorischer Kraft eine transzendentale und fast meditative Gefasstheit ausstrahlen. Lee strebt keine topografischen oder faktischen Zuschreibungen an, wenn sie eine dreckige und vom Menschen fast verlassene Minenstadt durchstreift, der imaginierten Weite der Ozeane dunkle Detailansichten von Wasser und Land entgegenstellt oder kaum darstellbare Naturphänomene wie das Wetter in metaphorische Bilder fasst. Mit ihrer künstlerischen Grundhaltung fordert Lee die Grenzen der fotografischen Erzählung heraus und sucht genau an den Schnittstellen von Nicht-Orten und Nicht-Momenten nach Bedeutung und Sinn.

Ausstellung: Jungjin Lee | Echo
Wann: 17.09.2016–29.01.2017
Wo: Fotomuseum Winterthur, Schweiz, fotomuseum.ch


Bildlegende:
Jungjin Lee, aus American Desert II, 1994 © Jungjin Lee
Jungjin Lee, aus On Road, 2000 © Jungjin Lee
Jungjin Lee, aus Wind, 2006 © Jungjin Lee


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