LÜPERTZ »Kunst, die im Wege steht«



Baumstamm – dithyrambisch, 1965 - Markus Lüpertz

Baumstamm – dithyrambisch, 1965 – Markus Lüpertz

LÜPERTZ
»Kunst, die im Wege steht«

18. März bis 29. Mai 2016
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg

Maler und Bildhauer, Dichter und Jazz-Musiker, Fußballer, Intellektueller, Handwerker und besessener Arbeiter – Markus Lüpertz‘ Aktionsradius ist enorm. Seit Beginn der 1960er Jahre schafft der langjährige Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie Werke, die unverkennbar in Stil und Ausdruckskraft ihren festen Platz in der deutschen Kunstgeschichte gefunden haben.

Erstmalig präsentiert die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Markus Lüpertz im Museum Küppersmühle in einer Einzelausstellung und zeigt ab dem 18. März mehr als 80 Arbeiten aus allen wichtigen Schaffensphasen. Der Fokus liegt auf Malerei, aber auch Skulpturen, Reliefs und Druckstöcke sind zu sehen. Die Arbeiten sind Teil der Sammlung Ströher, die als eine von wenigen Sammlungen ein so umfangreiches Werkkonvolut von Markus Lüpertz besitzt, dass seine künstlerische Entwicklung über fünf Jahrzehnte nachvollzogen werden kann. Für den Kurator der Ausstellung, Götz Adriani, sind „die Anhaltspunkte für jene großräumigen Abläufe der Kunst von Markus Lüpertz enorm vielfältig und reichen weit zurück. (…) Denn für ihn ist die Beschäftigung mit der Geschichte der Kunst sowie die Berufung auf deren Vertreter ein zentrales Anliegen geblieben.“

Dädalus-Zyklus, 2002 Installationsansicht MKM 2016 - Markus Lüpertz

Dädalus-Zyklus, 2002 Installationsansicht MKM 2016 – Markus Lüpertz

Die Ausstellung schlägt einen Bogen zu den Anfängen von Lüpertz‘ Laufbahn: »Kunst, die im Wege steht« hieß 1966 eine seiner ersten Präsentationen, die in der Galerie Großgörschen 35 in Berlin stattfand. 2016 zeigt das MKM mit »Kunst, die im Wege steht« einen Blick auf sein Lebenswerk. „Markus Lüpertz verkörpert pure Malerei. Pure Bildhauerei. Für ihn sind es allein diese Medien, die dem Leben Form und Sinn geben.“, konstatiert MKM-Direktor Walter Smerling. „Mit seiner umwerfenden Direktheit und Ehrlichkeit macht er sein Gegenüber mitunter sprachlos. Und auch seine Ausstellung macht sprachlos, weil die Werke buchstäblich überwältigen.“

Lüpertz‘ Arbeiten sind geprägt von einer eigentümlichen Würde und Feierlichkeit, auch durch das häufiger beigegebene Wort »dithyrambisch«. Meist sind es einfache Bildgegenstände, die er auf betont plastische Weise darstellt und in einer ausdruckstarken, selbstgewissen Bildsprache wiedergibt. „Die Definition meiner Malerei ist, tote Formen zu belegen. Ich bemühe mich um eine inhaltlose, kalte Malerei, damit Missverständnisse möglich werden.“, so der Künstler. Lüpertz schätzt diese Missverständnisse, glaubt an die Kraft der Individualität und liebt die Mystik. Mit seiner euphorisch belegten Malerei, die gleichzeitig Distanziertheit ausdrückt, gehört er zu den wichtigsten deutschen Künstlern der Nachkriegsgeneration.

Markus Lüpertz, 2014

Markus Lüpertz, 2014

Der Auftakt der Ausstellung bietet anhand von einzelnen Positionen aus verschiedenen Werkphasen einen kompakten Einstieg in das Gesamtschaffen von Markus Lüpertz. So steht das Werk-Duo Tod und Maler von 1973 sowohl zwei Arbeiten aus den 1980er Jahren gegenüber, die sich mit Themen der antiken Mythologie auseinandersetzen (Das Ende des Orpheus und der Skulptur Prometheus) als auch einigen Gemälden aus den 1990er Jahren, in denen der Künstler bis an die Grenzen der Gegenständlichkeit geht. Die Genres Malerei und Bildhauerei werden dabei ausschnittweise ebenso illustriert wie Themenkomplexe, die in seinem Œuvre wichtige Stationen einnehmen. Der anschließende Ausstellungsraum widmet sich Lüpertz’ Frühwerk aus den 1960er Jahren. Als »dithyrambisch« – überschwänglich, glückstrunken, begeistert – stellt der Künstler selbst Anfang des Jahrzehnts seinen Malstil vor, wobei er sich auf die Dionysos-Dithyramben Friedrich Nitzsches sowie altgriechische Kult-Hymnen zu Ehren des Weingottes bezieht. Bilder wie Baumstamm – dithyrambisch, Wäsche auf der Leine oder auch eines seiner Schlüsselwerke aus dieser Zeit, das 12,50 Meter lange Gemälde Westwall, zeigen die besagten einfachen Dinge zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion: „Fantastisch nüchternen Bildräumen ausgesetzt, erscheinen sie zwar greifbar, ihre Sinnzusammenhänge sind allerdings unsinnig und unbegreifbar. Aus den bekannten Strukturen ergeben sich archetypische Formenkomplexe, deren perspektivisch verrückte Präsenz machtvoll und maßlos zutage tritt.“ erläutert Kurator Götz Adriani. Das gilt auch für die 20-teilige Arbeit Gegen Abend besetzen Störche Lüpolis von 1977, die eine zentrale Position in der Ausstellung einnimmt, erstmals überhaupt gezeigt wird und durch die Wechselwirkung mit dem Westwall zu einer plastischen Spannung im Raum führt. Den imposanten, expressiv-emotionalen Gemälden des Frühwerks stehen zudem ausdrucksstarke Skulpturen der 1990er Jahre gegenüber, u.a. eine seiner wichtigsten: die monumentale Bronze Standbein – Spielbein.

In zweiter Station wird die Ausstellung vom 9. Juli bis zum 23. Oktober im ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe gezeigt.

http://www.museum-kueppersmuehle.de/


Bildlegende:
Baumstamm – dithyrambisch, 1965, Öl auf Leinwand, 206 x 256 cm, MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, Sammlung Ströher, Darmstadt © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Jochen Littkemann, Berlin

Dädalus-Zyklus, 2002, Installationsansicht MKM 2016, Öl auf Leinwand, 33-teilig, Sammlung Ströher, Darmstadt, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Henning Krause, Köln

Markus Lüpertz, 2014, © Stiftung für Kunst und Kultur e.V., Foto: Benedikt Frings-Neß


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